Kolumne im vorwärts:berlin, Februar 2004Von Hans Helmut PrinzlerTom Cruise war incognito zu Besuch im Filmhaus am Potsdamer Platz: "Ich wandelte auf den Spuren von Marlene Dietrich und Billy Wilder. Dieses Museum kann ich nur jedem ans Herz legen." Peter Jackson, Regisseur des "Herrn der Ringe", verbrachte mit seiner Crew zwei Stunden in der Ständigen Ausstellung und war begeistert. Das Filmmuseum Berlin, im September 2000 eröffnet, ist eine internationale Attraktion. Mit Beginn des Jahres 2004 hat der Bund den Träger des Filmmuseums, die Stiftung Deutsche Kinemathek, zu 100 Prozent in seine finanzielle Obhut genommen. Damit konnte der Kulturetat des Landes Berlin (zu Gunsten der Opern, aber das ist ein anderes Thema) um einige Millionen Euro entlastet werden. Die überregionale Bedeutung der Kinemathek und des Filmmuseums legen das Engagement des Bundes nahe und machen es sinnvoll.Inzwischen darf sich unsere Staatsministerin für Kultur und Medien schon für verschiedene Filmeinrichtungen in der Hauptstadt verantwortlich fühlen: für die Berlinale als internationales Großereignis der Branche, aber auch für das Bundesarchiv-Filmarchiv, das Zeughauskino als Teil des Deutschen Historischen Museums, die Arsenal-Kinos der Freunde der Deutschen Kinemathek, die Film- und Medienkunst im Zusammenhang der Akademie der Künste. Außerdem verleiht sie jedes Jahr in Berlin den Deutschen Filmpreis, die höchstdotierte Kulturauszeichnung in der Bundesrepublik. Als autonome Einrichtungen gibt es in Berlin die Filmförderungsanstalt und die jüngst gegründete Deutsche Filmakademie, die beide bisher nicht von der öffentlichen Hand alimentiert werden. Was bleibt da noch für das Land Berlin zu tun? Genug und mehr denn je, wenn nach dringendstem Bedarf finanziert würde. Die Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH (für deren Chef Klaus Keil nach zehnjähriger erfolgreicher Arbeit ein Nachfolger gesucht wird) könnte noch effektiver werden, wenn ihr mehr Mittel zur Verfügung stünden und sie nicht im neuen Konstrukt der "Medienboard Berlin-Brandenburg" ihr Profil verliert. Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, seit elf Jahren geleitet von Reinhard Hauff, könnte ihre hervorragende Ausbildungsarbeit noch verbessern, wenn sie mehr in ihre technische Ausstattung investieren dürfte. Das Filmkunsthaus Babylon könnte mit seinem rekonstruierten Kinoglanz mehr in die Stadt hineinwirken. Und der Europäische Filmpreis verdient wieder unsere Berliner Aufmerksamkeit. Nicht zu vergessen - aber immer wieder daran zu erinnern -, daß im Filmhaus noch die Flächen für die Deutsche Mediathek, das Fernsehmuseum, auszubauen sind. Wir freuen uns zur Zeit über Erfolge deutscher Filme beim Publikum und bei der Kritik: "Good Bye, Lenin!", "Das Wunder von Bern", "Luther", "Herr Lehmann", "Rosenstraße". An den Erfolgen hat Berlin kreativen wie finanziellen Anteil. Im Zusammenspiel mit dem Bund könnte mehr daraus werden. Damit Tom Cruise und Peter Jackson bei ihrem nächsten Besuch im Filmmuseum auch dem deutschen Film des 21. Jahrhunderts begegnen. Hans Helmut Prinzler ist Vorstand der Stiftung Deutsche Kinemathek und Direktor des Filmmuseums Berlin. |
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