Kolumne im vorwärts:berlin, September 2004

Brigitte Lange

Brigitte Lange: Stadt der Kreativität: Kunst in Berlin

Die Lage der Künstlerinnen und Künstler ist insgesamt alarmierend. Dies bestätigte die Staatsministerin für Kultur, Dr. Christina Weiss, im November 2003, in Beantwortung einer Großen Anfrage im Bundestag zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Deutschland.

Nach der letzten statistischen Erhebung 2002 gab es in der Bundesrepublik 164 000 Selbständige und 173 000 Angestellte in künstlerischen Berufen. Das Durchschnittseinkommen pro Jahr betrug 11 100 Euro und lag damit weit unter dem durchschnittlichen Einkommen der übrigen Bevölkerung. Hinzu kommt, daß viele Künstlerinnen und Künstler mit einer Mini-Rente von 400 Euro auskommen müssen.

Auch bei den Bildenden Künstlerinnen und Künstlern, zu denen z.B. Maler und Bildhauer gehören, hat sich die Zahl der Arbeitslosen in nur acht Jahren verdoppelt. In Berlin sieht es nicht anders aus. Hier liegt das monatliche Durchschnittseinkommen bei 450 bis 500 Euro.

Insgesamt leben und arbeiten rund 5000 Bildende Künstlerinnen und Künstler in unserer Stadt. Die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit sind alles andere als ideal. Im Verhältnis zur sonstigen Kulturförderung wird die zeitgenössische Bildende Kunst eher marginal gefördert. Öffentlich gefördert wird u.a. in Form von Stipendien, Preisen und einer Atelierförderung. Der Anteil der Förderung am Kulturhaushalt in Höhe von ca. 370 Mio Euro beträgt ganze 1,7 Prozent.

Das ist ein eklatantes Missverhältnis. Hier ist der Kultursenator dringend aufgefordert, im Bereich Bildende Kunst tätig zu werden.

Dennoch ist Berlin für Bildende Künstlerinnen und Künstler attraktiv und kann sich selbstbewußt als Hauptstadt der Bildenden Kunst bezeichnen. Hier gibt es 350 Galerien, welche über eine Ausstellungsfläche von 57 400 qm verfügen. Zweitausend Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst finden jährlich statt. Etwa vierhundert Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben dadurch eine feste Anstellung.

Allerdings erzielen die Galerien nur ein knappes Drittel ihres Umsatzes mit Berliner Kunden und der Jahresumsatz liegt mit 350.000,00 Euro bei der Hälfte des Bundesdurchschnitts. Dies zeigt, dass die Bildende Kunst zwar ein Standortvorteil für die Stadt ist, leider aber der entsprechende Kunstmarkt fehlt. So beklagen Galeristen zu Recht die mangelnde öffentliche Anerkennung des Kunstmarktes, es fehlt z.B. eine adäquate Messeförderung, wie sie in anderen Bundesländern üblich ist. Dies würde zu einer Stärkung der Berliner Galerien auf internationaler Ebene führen.

Was ist zu tun? Die Bildende Kunst darf nicht länger das fünfte Rad am Kulturwagen sein. Der Kultursenator ist aufgefordert, dies zu ändern!
Brigitte Lange ist stellvertretende Vorsitzende des Kulturforum Stadt Berlin der Sozialdemokratie
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