Kolumne im vorwärts:berlin, Februar 2005Michaela Miethe und Michael Verhoeven: Großartiges Kino In Berlin beginnen die Filmfestspiele - Zeit für einen Rückblick. Was hat das Jahr 2004 dem deutschen Kino gebracht? Das Bemerkenswerteste ist, dass sich der deutsche Film weiter durchsetzen konnte. Er wurde mit Goldenen Leinwänden geehrt, und das heimische Publikum strömte in die Kinos. Lange genug hatte der deutsche Kinofilm Akzeptanzprobleme beim eigenen Publikum. Nun hat er seinen Platz gefunden, das brachte den Filmschaffenden neues Selbstbewusstsein. Auch schwierige und brisante Themen wurden vom Publikum honoriert.Jedoch stehen nach wie vor große Herausforderungen vor uns Filmleuten. Zu Recht fordern die Kinobetreiber dringend eine Überarbeitung des Filmförderungsgesetzes. Es geht vor allem um größere Gerechtigkeit zwischen Kino, Video und Fernsehen bei der Nutzung der Filme. Wenn Fernsehen und Video zu schnell nach dem Kinostart nachsetzen, wird das zeitliche Auswertungsfenster für die Kinos zu klein - eine bedrohliche Tatsache gerade für kleinere Filmtheater. Eigentlich gibt es klare Vorgaben für alle Beteiligten, aber wenn die Nichteinhaltung nicht geahndet wird, kommt es zu empfindlichen Vertrauensstörungen und zu wirtschaftlichen Nachteilen für die Kinobetreiber. Filme müssen insgesamt über einen langen Zeitraum zur Verfügung stehen, in dem sie sich entwickeln können, um für jede Branche erfolgreich zu sein. In diesem Zusammenhang müssen auch die Raubkopien erwähnt werden, die einen unermesslichen Schaden anrichten. Deshalb ist es wünschenswert und unendlich wichtig, dass die Kinowirtschaft wieder Geschlossenheit zeigt mit seinem Hauptverband Deutscher Filmtheater, der die verschiedenen Interessen zu einem Konsens führen könnte. Ein Problem in Berlin ist die überproportional große Anzahl von Leinwänden in der Stadt. Trotzdem werden weitere Multiplexe genehmigt. Es ist klar, dass damit die Existenz kleiner Kinos extrem gefährdet wird. Zeugnisse Berliner Kinokultur sind so bereits unwiederbringlich verloren gegangen, wie z.B. das "Tivoli" - Geburtsstätte des Films! -, welches ohne Nachdenken dem gleichgültigen Immobilienmarkt überlassen wurde. Die großartige Berliner Filmszene braucht die kleinen Kinos in der Stadt, die von engagierten und kreativen Filmleuten betrieben werden. Es ist eine Katastrophe, wenn eins nach dem anderen aufgeben muss. Bisher ist es uns gelungen, dass wunderbare "Toni" in Weißensee zu erhalten - aber das ist ein mühsamer Balanceakt. Gute Überlegungen für die Zukunft, dass kleinere Kinos sich für ihre Filmdispositionen und Wareneinkäufe zusammenschließen. Solche Abspielringe existierten bereits Anfang der 90er Jahre. Wir wünschen uns, dass auch Kinderfilme besonders gefördert werden, um unser Publikum von morgen für den Kinobesuch zu begeistern. Es wurde wieder erkannt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit mit den Pädagogen ist. Wenn es uns hier gelingt, das Kino als Lernort zu vermitteln, sind wir auf dem richtigen Weg. Das "Toni" engagiert sich bereits intensiv für dieses Ziel. Michaela Miethe und Dr. Michael Verhoeven - www.kino-toni.de |
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