Kolumne im vorwärts:berlin, März 2005![]() Bernd Mehlitz: Kultur ist kein LuxusAnfang Februar konnte man auf dem aktuellen Monatsspielplan des Deutschen Theaters 12 "Ausverkauft"-Aufkleber zählen. Eine großartige Publikumsabstimmung für ein erfolgreiches Programmangebot. Auch die Deutsche Oper blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr zurück.Die positive Kulturagenda ließe sich fortsetzen. Also beste Voraussetzungen sorglos in die Zukunft zu blicken? Die Berichterstattung aus dem Kulturausschuss über die Erörterung der von Senator Flierl vorgelegten: "Perspektiven durch Kultur" nährt diese Vermutung. Die Morgenpost vom 18.1. zitiert den Senator: " Es gibt eine Abstimmung in der Koalition, die Orchesterproblematik in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu verfolgen." Auf keinen Fall soll die Schließung eines weiteren Orchesters angemahnt werden. Ganz im Gegenteil! Aber auch die Verabschiedung von dem Aufbau eines städtischen Kulturbüros wie die Neuorganisation der Berliner Museen lassen erahnen, dass ungelöste Probleme unter den Tisch gekehrt werden, damit sie dort, eingerahmt vom zuvor genannten Diskussionspapier, mit dem Staub der Vergessenheit bedeckt werden. Dabei begann alles so hoffnungsfroh. Ein Senator hat den Mut inhaltliche Präzisierungen und Veränderungen diskutieren zu wollen und legt dazu ein Papier vor. Das Angebot zur Diskussion muss aufgegriffen werden. Dies bedeutet Arbeit und erfordert Kompromisse und Solidarität aller Beteiligten - bei Politik und Machern. Veränderungen können nur gemeinsam getragen werden. Bei der Gestaltung der Opernstiftung gelang dies. Nun lehnen sich alle erschöpft zurück, verdrängen die Probleme, ignorieren die Haushaltszwänge, reden jedoch vom prägenden Element Kultur für das Image der Stadt. Die Tourismus GmbH wirbt mit dem besonderen Berliner Kulturangebot und freut sich über die steigenden Zahlen der Berlin-Besucher. Unbestritten ist die Einmaligkeit in Vielfalt und Qualität der Berliner Kultur, die unserer Stadt für Einwohner und Gäste so aufregend macht. Eine Gesellschaft ohne Kultur ist eine tote Gesellschaft. Und Kultur ist bei weitem kein Luxus wie einige Vertreter anderer Interessen uns gelegentlich glauben machen wollen. Es gibt viele gute Gründe, nicht zu warten bis der Finanzsenator die nächsten Sparvorgaben formuliert und auch nicht davor zurückschreckt den Umfang und die Inhalte für die Reduzierung von Kulturangeboten vorzugeben. Die Zustimmung für eine fortzusetzende Politik ist beim Wähler auch davon abhängig wie er sich mit seiner Stadt identifizieren kann. Wird sein Verhalten vom Stolz auf das Besondere - hierzu gehört immer der Faktor Kultur - bestimmt oder von Trübsal und Missgunst. Bernd Mehlitz, bis 2003 Abteilungsleiter Bühnen in der Senatsverwaltung, ist Mitglied im Vorstand des Kulturforum Stadt Berlin der SPD |
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