Kolumne im vorwärts:berlin, Mai 2005

Joachim Günther und Gisela Meunier: Kommunale Kulturpolitik braucht neue Impulse

Joachim GüntherBezirkliche Kulturarbeit hat es in der "armen" Metropole Berlin dreifach schwer: Die Kassen sind leer, die "Leuchttürme" schöpfen die großen Töpfe ab und die Konkurrenz der neuen Medien tut ihr Übriges.

Die Folge: Das dezentrale, quartiersbezogene Kulturangebot ist spärlich, wenig attraktiv und verliert mit den Mitteln zunehmend auch sein Publikum. Da hilft selbst das Beschwören der Verfassung und der sozialen wie kulturellen "Grundversorgung" wenig.

Was also tun mit der Kultur für die soziale Stadt, für den Kiez, die Integration, das "Empowerment" und die Bedürfnisse an der Basis?

Beispiel Künstler im Quartier: Braucht die lokale Kunst in einem Berliner Bezirk noch eine kommunale Galerie? Kann den unterschiedlichen Bedürfnissen der Künstlerinnen und Künstler überhaupt mit einem "etablierten" Ort entsprochen werden? Wäre es nicht sinnvoll und notwendig, gemeinsam mit der Künstlerschaft vorübergehende Orte, Zwischennutzungen auf freien Flächen oder leerstehenden Fabriketagen zu suchen, um auch mit dem Reiz des Ortes zu locken?

Gisela MeunierUnsere Bibliotheken: Leserschwund, veraltete Bestände, ungünstige Standorte und eingeschränkte Öffnungszeiten. Für die Erwachsenen wären wenige gut ausgestattete Standorte sicherlich hilfreicher. Für Kinder und Jugendliche wird es in Zukunft wohl mehr Sinn machen, dass das Buch in die Schule kommt und zu einem Bestandteil des Ganztagsschulangebotes wird. Vieles kann man sich hier einfallen lassen wie Lesungen oder Büchertauschaktionen.

Ähnliches gilt für die Musik und die Musikschulen. Die wenigen öffentlichen Mittel, müssen sehr gezielt eingesetzt werden und zwar dort, wo es unabdingbar ist: für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Das ist auch ein Abschied: von behördlichen Kunstinstitutionen, angestellten Kunstvermittlern, verewigter baulicher Infrastruktur.

Lokale und kommunale Kulturarbeit muss die Herausforderungen der sich wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen und Interessen annehmen. Gerade wenn der Staat immer weniger Möglichkeiten hat, mit seinen finanziellen Ressourcen dem Anspruch eines grundlegenden Kunst- und Kulturangebotes zu entsprechen, wird er umso mehr zum Helfer und Vermittler.

Geldgeber müssen gefunden werden. Ehrenamtliches Engagement will organisiert sein.

Und es geht um das Management der kulturellen Märkte: das Zusammenfinden von KünstlerInnen und Publikum, Lehrenden und Lernenden, Menschen, Räumen und Projekten.
Die Autoren Joachim Günther und Gisela Meunier sind Mitglieder im Vorstand des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie.
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