Kolumne im vorwärts:berlin, März 2007

Winfried Sühlo

Winfried Sühlo: Ein Museum auf Zeit im Herzen Berlins

Die Kunstzeitschrift "Monopol" hat die Idee zur Diskussion gebracht, nach dem Abriss des Palastes der Republik auf den Berliner Schlossplatz eine "Kunsthalle auf Zeit" zu stellen. Die Zeit zwischen Abriss des Palastes und Grundsteinlegung für das dort geplante Humboldt-Forum sollen für einen Ort genutzt werden, an dem endlich umfassend und modern zeitgenössische Kunst aus Berlin in der Stadt präsentiert werden kann.

Über die Grenzen Berlins hinaus gibt es eine heftige Diskussion dazu. Ist das mehr als eine verrückte Idee? Das Kulturforum Stadt Berlin der Sozialdemokratie und "Monopol" luden gemeinsam zu einem öffentlichen Gespräch des Projektes, an dem unter anderem André Schmitz, Staatssekretär für Kultur, und Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, teilnahmen. Man war sich einig, die deutsche Hauptstadt, führender Produktionsstandort für bildende Kunst in der Welt, brauche eine solche Halle wie die Luft zum Atmen. Die Vorstellung, auf diesem einmaligen Platz im Herzen der Stadt mit einer kreativ gestalteten und strahlenden Zwischennutzung Kunstliebhaber aus aller Welt anzuziehen, brachte die Runde zu einer nüchternen Euphorie. Der in einem Wettbewerb ausgelobte Rasen für den abgeräumten Platz wurde von Niemandem mehr als Wunsch vorgestellt. Er ist vom Tisch. Mag das Zeitfenster für eine Zwischennutzung letztendlich nur ein Jahr messen, "Monopol" und anwesende Architekten sahen das Vorhaben dadurch nicht gefährdet. Die provisorische Halle könnte an anderen Orten auf Zeit ein Botschafter sein für die Ausstrahlung Berlins und seiner internationalen Kunstszene.

Die Verwirklichung des Projektes erfordert die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten. André Schmitz lobte das bürgerschaftliche Engagement, das in dieser Initiative einer wichtigen Kunstzeitschrift zum Ausdruck kommt. Seine Finanzierung muss auf privater und mäzenatischer Basis erfolgen. Erste Schritte hierfür sind schon erfolgt. "Monopol" wird einen privaten Verein ins Leben rufen, der Umsetzung und Finanzierung des Vorhabens vorantreibt. Die Diskussion hat die Einsicht gefördert, dass Berlin jetzt etwas aus seiner aktuellen Bedeutung als Kunststadt machen muss. Die FAZ schreibt am 9. Februar 2007: "Soviel Zukunft war seit Christo am Reichstag noch nie". Es heißt also: anpacken und mitmachen.
Winfried Sühlo ist Vorsitzender des Kulturforum Stadt Berlin der Sozialdemokratie
Kolumne Februar 2006