Humboldtforum![]() Kulturprojekt in Schlossverpackung - Hier soll die Welt nicht zu Gast, sondern zuhause seinAlle reden über das Schloss, aber viel zu wenige über das Humboldt Forum. Die Entscheidung des Deutschen Bundestages, nach dem Abriss des Palastes der Republik das Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen, oder, wie Kritiker es bezeichnen, es historisierend zu rekonstruieren, hat verständlicherweise zu heftigen Debatten geführt. Form und Inhalt, so haben wir es gelernt, sollten einander entsprechen. Dass drei barocke Schlossfassaden, Kuppel (wenn sie denn kommt) und Schlüterhof schwer mit dem Humboldt Forum als einem Ort für außereuropäische Kulturen und dem Dialog der Kulturen der Welt in Einklang zu bringen sind, war von Anfang an einer der Hauptkritikpunkte der Schlossgegner.Eine Weiterführung der Schlossdebatte führt aber ins Leere, die Entscheidung ist gefallen. Das Humboldt Forum als "das wichtigste Kulturprojekt des 21. Jahrhunderts" (Parzinger) ist nur in der Schlossverpackung zu bekommen. Deshalb ist es jetzt dringend geboten, die Debatte um die Inhalte zu führen,was das "größte Kulturprojekt" leisten soll, wie es dem Erbe seiner Namensgebern, den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt und deren kosmopolitischer Weltsicht gerecht werden kann, wie zukunftsorientiert es sein wird etc. Humboldtforum: Was ist geplant?
Mehr als ein perfektes MuseumDieses Haus muss mehr sein als ein noch so perfektes Museum, es darf nicht aus aneinandergereihten Teilen bestehen, sondern ist als Ganzes zu denken und zu gestalten. Das Humboldt Forum muss deshalb "aus einer Hand" organisiert, geplant und geleitet werden - und zwar nicht erst, wenn schon alles festgezurrt ist, sondern schon jetzt in der Planungsphase. Das wäre die Aufgabe eines/r baldig zu ernennenden Intendanten/in mit inhaltlich programmatischer Verantwortung für das ganze Haus und einem Budget.Die Agora, als Ort des kulturellen Dialogs, ja Polylogs gedacht, darf nicht ein Teil neben den Beständen sein. Die Agora, nicht als Ort sondern als Methode verstanden, muss das ganze Haus einschließen. Im Humboldt Forum als Ganzem sollten unter Einbeziehung der reichhaltigen kulturellen Zeugnisse der Sammlungen die unterschiedlichen Kulturen zusammengeführt und zukunftsorientiert zusammengedacht werden. Dem muss auch die Innenarchitektur Rechnung tragen, d.h. das Haus darf nicht horizontal wie ein simples Kaufhaus, sondern muss vertikal, multifunktional und flexibel gestaltet werden. Orte des Dialogs gibt es viele, deutschland- wie weltweit.Kluge Köpfe werden als Gäste eingeladen um über dieses und jenes zu sprechen und zu diskutieren. Orte, an denen uns ferne, fremde Kulturen und Zivilisationen präsentiert werden, gibt es zum Glück auch. Vom "Jahrhundertprojekt" Humboldt Forum ist mehr zu erwarten: nicht ein nationales Projekt für den Dialog Deutschlands mit der Welt, sondern ein "dritter Ort", d.h. ein exterritorialer Denkraum, ein Umschlagplatz weltweiter Ideen, in dem die Kulturkreise der Welt souverän und auf Augenhöhe miteinander sprechen über Wertekonflikte, Globalisierung, Migration, Klima und anderes. Es geht schlicht um die Frage: Wie wollen wir im 21. Jahrhundert in der globalisierten Welt miteinander leben? Diese polylogen Diskurse sollen international hervorragende Wissenschaftler, Künstler, Literaten, Friedensforscher Menschenrechtler usw. führen, die dazu aber nicht wie üblich nur als Gäste eingeladen werden, sondern selbst als Gastgeber, als Gestalter, als Mitträger des Forums gewonnen werden müssen. Das sollte bereits jetzt in der Planungsphase geschehen, z. B. durch Angebote einer Mitgliedschaft in einem Kuratorium oder Beirat, zuständig aber nicht nur für die bisher allein im Erdgeschoss geplante Agora. Im Humboldt Forum ist die Welt nicht zu Gast, hier ist sie zuhause - das ist der Wunsch vieler, die sich Gedanken über das Humboldt Forum machen. Erstaunlich wenig DebattenErstaunlich ist, dass dieses in Berlin zu errichtende Jahrhundertprojekt in Berlin so wenige Diskussionen auslöst. Das Humboldt Forum, auch schon als "Weltlabor" oder "Wunderkammer der Kunst und Wissenschaft" bezeichnet, könnte für unsere Stadt identitätsbildend werden. In schon sokratischer Bescheidenheit beschränkt sich die Berliner Politik auf eine Zuschauerrolle bezüglich der inhaltlichen Gestaltung des Humboldt Forums. Aber das wird jetzt sicher anders, denn im Wahlprogramm der Berliner SPD war der hoffnungsvolle Satz zu lesen: "An der inhaltlichen Gestaltung des Humboldt Forums werden wir uns verstärkt beteiligen."Eckhardt Barthel stellvertretender Vorsitzender des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie und ehemaliger kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion |