GRIPS heißt: Denken, das Spaß macht.Frage bei einem kritischen Gespräch über die Berliner Bühnen am Rande des letzten Theatertreffens"Wen hältst Du denn für den kreativsten und beständigsten Theatermacher in der Stadt?""Volker Ludwig und sein GRIPS-Theater. Er hat meine Berliner Zeit bis heute bereichert wie kein anderer. Ich bewundere ihn seit langem." "Alles wegen einer U-Bahn-Linie?" "Linie 1 hat natürlich einen zentralen Platz in meinem Herzen. Seit über 20 Jahren steht sie auf dem Spielplan des GRIPS, weit über 1000 mal gespielt, in viele Sprachen übersetzt und in vielen Ländern produziert. Faszinierend ist der Erfolg in Süd-Korea: schon über 2000 Aufführungen in Seoul. Der Grund: Volker Ludwig macht - pointenreich und realistisch - eine Liebeserklärung an die Unterschichten aller Großstädte. Aber die ganze Geschichte fing 1965 mit der Gründung des Reichskabaretts an in der Ludwigkirchstraße. Berlin wurde zur Hauptstadt der deutschen Kleinkunst mit Wolfgang Neuss, Volker Ludwig und Hannelore Kaub. 1966 dann das "Theater für Kinder im Reichskabarett", später GRIPS genannt. Damit hat Volker Ludwig Theatergeschichte geschrieben. In allen Schulen, in allen Kinderläden wurden seine Lieder gesungen: aus "Balle, Malle, Hupe"; "Trummi kaputt" oder "Max und Milli". "Das war Kindertheater für den Nachwuchs?" "Es war viel mehr: die offenen Eltern wurden eingefangen, und es gab viele konservative Politiker in der Stadt, die sprachen vom Untergang des Abendlandes. Also eine hitzige öffentliche Diskussion über Theater in Kneipen und U-Bahnen. Dann kamen die Jugendstücke, ich erinnere mich an "Die Moskitos sind da!" Plötzlich fühlten sich die jungen Zuschauer im Theater angesprochen und ernst genommen. Und schließlich kam das Theater, das auch den Erwachsenen unter die Haut ging: "Eine linke Geschichte", bis heute immer wieder aktualisiert und weitergeschrieben, die "Linie 1" und "Cafe Mitte". Am stärksten berührt hat mich "Ab heute heißt Du Sara", die wirkliche Geschichte der Berliner Jüdin Inge Deutschkron, die sich in Berlin verstecken musste um zu überleben, so auf die Bühne gebracht, dass das ganze Drama, der ganze Schrecken der Nazi-Zeit präsent ist. Außer der Dramatisierung des Tagebuchs der Anne Frank gibt es nichts Vergleichbares. Diese Lücke im deutschen Gegenwartstheater ist schwer zu verstehen. Wir verdanken Volker Ludwig sehr viel. Am 13. Juni 2007 wird Volker Ludwig 70 Jahre alt. Wir gratulieren, wünschen von Herzen Glück und Gesundheit. Wir werden ihn noch sehr lange brauchen in Berlin. Winfried Sühlo |